Zwei Stolpersteine für Karl und Marianne Otto auf dem Sonnenberg
Am 20. September 2025 wurden für Karl und Marianne Otto auf der Würzburger Straße 25 zwei Stolpersteine verlegt.
Auch diesmal hat Gunter Demnig die Stolpersteine selbst verlegt im Beisein von rund 30 Personen, die gekommen waren, um dem Ehepaar Otto zu gedenken. Der Historiker Dr. Jürgen Nitsche betonte in seiner Rede, dass die Ottos als Kommunisten nach 1990 schnell aus dem Gedächtnis verdrängt wurden. So wird Karl Otto auch nicht im Gedenkort Kaßberg – Gefängnis gewürdigt, wo er zeitweise inhaftiert war. Er war von den Nazis zweimal im KZ Sachsenburg inhaftiert. Später wurde er zur Wehrmacht eingezogen und konnte noch 1945 aus der Kriegsgefangenschaft fliehen und nach Chemnitz zurückkehren. Später befasste er sich ausführlich mit der Geschichte des Lagers Sachsenburg. Ende der 1940er Jahre erblindete Karl Otto, erlernte die Blindenschrift und konnte so kulturpolitisch und schriftstellerisch tätig sein.
Albrecht Geißler, einer der Paten der Stolpersteine für Karl und Marianne Otto, sagte, dass ihn der Lebensweg des Paares tief beeindruckt habe – vor allem der Mut, unter Androhung des Todes den Kampf gegen Ungerechtigkeit und Unmenschlichkeit fortzusetzen.
Seit mehreren Jahren werden am 9. November, dem Gedenktag für die Opfer der Reichspogromnacht vom 9. November 1938, die Stolpersteine in der von den Buntmacher:innen initiierten Aktion „Lichterweg“ stadtweit geputzt und eine Kerze aufgestellt zum Gedenken.
Jankel Rotstein war im September 1939 als ein in Deutschland verbliebener Jude verhaftet und in das Polizeigefängnis auf dem Kaßberg gebracht worden und wurde im Februar 1940 in das Internierungslager Nürnberg-Langwasser überstellt. Von dort wurde er in das Warschauer Ghetto „entlassen“, wo er verhungerte und am 13. September 1941 starb.

7. Oktober 2008 Ludwig-Kirsch-Straße 1, Siegmund Rotstein (1925 – 2020) spricht bei der Verlegung des Stolperstein für seinen Vater Jankel Rotstein
Sein ältester Sohn, Siegmund Rotstein, war von 1966 bis 2006 Vorsitzender der jüdischen Gemeinde in Karl-Marx-Stadt/Chemnitz.
Übersicht der bisher verlegten Stolpersteine auf dem Sonnenberg,
Name, Vorname, Adresse, Anmerkung und Verlegedatum:
Rotstein Jankel Ludwig-Kirsch-Straße 1 Jüdischer Einwohner 07.10.2008
(vormals Alexanderstraße 1)
Rotstein Roland Ludwig-Kirsch-Straße 1 Jüdischer Einwohner 06.05.2021
(vormals Alexanderstraße 1)
Rotstein Marianne Ludwig-Kirsch-Straße 1 Jüdische Einwohnerin 06.05.2021
(vormals Alexanderstraße 1)
Landgraf Georg Dresdner Straße 38 SPD/Widerstand 25.09.2013
Böschel Karl Dresdner Straße 38 SPD/Widerstand 30.09.2015
Heilmann Ernst Dresdner Straße 38 SPD/Widerstand 30.09.2015
Zudkowitz Moritz Fürstenstraße 12 polnischer Jude 19.10.2011
Zudkowitz Masza Fürstenstraße 12 polnische Jüdin 19.10.2011
Voigt Elisabeth Hofer Straße 4 Euthanasie, Aktion T4 19.10.2011
(vormals Dietzelstraße 4)
Weidberg Heinrich Lessingplatz 12 jüdischer Einwohner 30.05.2017
Weidberg Ida Lessingplatz 12 jüdische Einwohnerin 30.05.2017
Weidberg Alice Lessingplatz 12 jüdische Einwohnerin 30.05.2017
Schubert Curt Münchner Straße 31 KPD, Todesurteil 20.09.2016
Simon Eugen Münchner Straße 61 jüdischer Einwohner 30.09.2016
Wurzel Klara Sonnenstraße 3 polnische Jüdin 30.08.2018
Wurzel Elias Sonnenstraße 3 polnischer Jude 30.08.2018
Wurzel Herta Sonnenstraße 3 polnische Jüdin 30.08.2018
Winter Arnold Sonnenstraße 16 Wehrkraftzersetzung 07.04.2009 Wilhelmi Karl Augustusburger Straße121 Homosexuell § 175 06.05.2021
(vormals Oststraße 93)
Stopp Kurt Walter Tschaikowskistraße 62 Euthanasie, Aktion T4 17.05.2022
(vormals Amalienstraße 62)
Otto Karl Würzburger Straße 25 KPD/Im Widerstand 20.09.2025
Otto Marianne Würzburger Straße 25 KPD/Im Widerstand 20.09.2025
Reiher Robert Zietenstraße 85 Zeuge Jehovas 30.05.2017
Text: Eckart Roßberg, Chronist des Sonnenberges
Fotos: Eckart und Gabriele Roßberg



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