Das demokratische Chemnitz liest
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Am 10. Mai 2026 jährt sich erneut die großangelegte Verbrennung humanistischer Literatur durch die nationalsozialistische Studentenschaft 1933. Mit den Bücherverbrennungen
am 10. Mai 1933 auf dem Berliner Opernplatz (heute Bebelplatz) und zeitgleich an vielen weiteren deutschen Universitätsstandorten fand die wenige Wochen zuvor initiierte „Aktion
wider den undeutschen Geist“ ihren Höhepunkt. Nazi-Studenten verbrannten Bücher, Schriften und Kunstkataloge unliebsamer SchriftstellerInnen, WissenschaftlerInnen sowie KünstlerInnen. Die „schöne“ und kluge Literatur dieser Zeit wurde von den Flammengefressen. Texte von Weltrang und mit ihnen Aufklärung, Pluralismus und Toleranz wurden in dieser Nacht für alle Welt augenfällig aus ihrer Heimat vertrieben und sollten aus dem Gedächtnis des Landes ausgelöscht werden. Die Autodafés vom 10. Mai 1933, so der Literaturwissenschaftler Alfred Kantorowicz, waren „der sichtbare Beginn der amtlich verfügten und mit terroristischen Mitteln durchgeführten Entgeistigung und Barbarisierung Deutschlands“. Die Prophezeiung aus Heines „Almansor“ von 1823 wurde schließlich tragische Realität: „Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.“Vor dem Hintergrund dieses Jahrestages und im Gedenken an die Bücherverbrennungen findet am Sonntag, den 10. Mai 2026, im Kaffeesatz eine Lesung statt. ChemnitzerInnen und ihre FreundInnen und Gäste lesen vielstimmig und vielsprachig aus verbrannten Büchern, unterdrückter Literatur sowie aus couragierten Texten, die Hass, Ausgrenzung und Gewalt die Stirn bieten und welche die demokratischen und solidarischen Werte unseres Miteinanders verteidigen.

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