Wer? 

Thomas Stadler war noch keine acht Jahre alt, als er einen Wunsch hatte, den vorher noch niemand in seiner Familie verspürte: Klavier spielen lernen.

Nach längerem Drängen wurde das erste Klavier geleast. Bei einem „sehr netten Klavierlehrer in der Musikschule“ hatte er dann schon große Fortschritte gemacht, als er auf Frau Rohrmeier traf. Und zwar als Konfirmand im Gottesdienst, wo Frau Rohrmeier nicht nur Organistin war, sondern auch Chorleiterin, dazu Musiklehrerin in der Schule, eine Liedertafel und einen Jugendchor leitete. Eben eine musikalische Schlüsselfigur in seiner Heimat, dem kleinen Rottenburg an der Laaber im Kreis Landshut, die ihn schnell zum Mithelfen einlud. So spielte er schon mit 14 Jahren im Gottesdienst, begleitete den Chor. Und leitete bald auch Proben. „Ich bin krank, kannst du einspringen? Wurde ich gefragt und sagte mit jugendlichem Leichtsinn zu“, erinnert er sich. Er bildete sich weiter, so dass es nach dem Abitur nicht mehr die Frage nach dem Ob, sondern nur, auf welchem Weg er die Musik zu seinem Beruf machen wollte. Er entschied sich für Chordirigieren an der Musikhochschule Leipzig, wo er 2019 seinen Bachelor erwarb. 2018 hängte er noch den zweiten Bachelor in Kirchenmusik an, begann parallel zwei Jahre Elternzeitvertretung eines Leipziger Kantors und übernahm die Leitung des Leipziger Oratorienchors. Vor einem Jahr wurde er in die vakante Stelle in Chemnitz gewählt.      

Beziehung zum Sonnenberg? 

„Das unmittelbare Umfeld in der Gemeinde ist wunderbar“, sagt der Kantor. Aber wenn er mit seinen zwei kleinen Hunden morgens rausgehe und Glasscherben herumliegen oder die Polizei klingele und vor einem Mann mit Waffe warne, dann fühle er sich nicht so wohl, erklärt er. Und auch wenn er an der Markuskirche wohnt, ist nicht nur für den Sonnenberg, sondern genauso auch für die Trinitatiskirche in Hilbersdorf und die Andreaskirche in Gablenz zuständig. Er überlegt, Arbeit und Privatleben mehr zu trennen und in einen ganz anderen Stadtteil zu ziehen. 

Wie sieht es im Atelier aus? 

Was ist das Atelier eines Musikers? Thomas Stadler zählt die Instrumente auf: In seinem Arbeitszimmer hat er zwei Klaviere, ein Standardklavier und einen Flügel von 1820, von dem es heißt, Friedrich Lizt habe darauf gespielt. Außerdem eine digitale Orgel, um nicht immer in die kalte Kirche gehen zu müssen. In der Gemeinde hat er sich um drei Pfeifenorgeln, eine elektronische Orgel, drei Flügel und drei E-Pianos zu kümmern. Aber mindestens genauso wichtig sind die Stimmen. Deshalb hat er für das Gespräch in eine Chorprobe eingeladen. Acht Männer und neun Frauen von ziemlich jung bis alt sitzen im Halbkreis um den Flügel im kleinen Saal des Gemeindehauses. Insgesamt hat der Chor dreißig Mitglieder. „Ein Chor besteht aus verschiedenen Persönlichkeiten, die sich ihr Instrument, die Stimme, nicht aussuchen können. Ich kann das Stimmmaterial trainieren, aber es sind Grenzen, im Unterschied zu dem Klavier mit seinen 88 Tasten. Und bei keinem anderen Instrument verbinden sich Wort und Ton so sehr“, ergänzt er. Das ist ihm wichtig: „Lasst uns unsere Stimmen vereinen und lobsingen ohne Ende“, er zitiert ein altes Gebet. Udn es macht ihm so viel Spaß, dass er den Leipziger Chor noch in seiner Freizeit weiter führt. 

Welche Kunst gibt es? 

„Kirchenmusik verkündet das Wort Gottes, spendet Trost, gibt Kraft, schenkt Freude und schafft Gemeinschaft“, mit diesem Programm stellte Thomas Stadler sich im Gemeindebrief vor. Auch der Posaunenchor mit 18 Bläsern und ein kleiner Flötenkreis tragen dazu bei. Und die eigenständigen  Jugendbands in der Andreas- und der Trinitatiskirche, mit denen er sich alle sechs bis acht Wochen trifft. Oder eine Kinderchorfreizeit zusammen mit dem Kollegen der Lutherkirche im nächsten Sommer. Und natürlich die Instrumentalisten und Solisten von außerhalb, die er für Konzerte verpflichtet. Das ganze musikalische Geschehen rund um die drei Kirchen liegt in seiner Hand. Er besucht auch Gruppen wie die Senioren oder die „Löwenkinder“ für ein gemeinsames Singen. Und spielt auf den Friedhöfen von Trinitatis und Andreas bei ein bis zwei Beerdigungen in der Woche. Siebzig Prozent seiner Arbeitszeit entfällt allerdings auf Organisation, schätzt er. Zum Beispiel Beratungen mit den anderen Hauptamtlichen der Gemeinden zum musikalischen Programm oder die Werbung für die Konzerte. Heute verteilt er Plakate und Flyer für das 15. Konzert in der Reihe der Silvesterkonzerte in Trinitatis „Mit Bach ins neue Jahr“. Am 31.12. um 17 Uhr werden dort achtstimmige Motetten aufgeführt. 

wey