Bilder im Dialog – Dialog der Bilder, Die Markuskirche – Wahrzeichen des Sonnenbergs
Die Südseite des Sonnenbergs von der Augustusburger Straße bis hinauf zur Markuskirche ist im Zweiten Weltkrieg teilweise zerstört worden. Lange lag diese Fläche im „Dornröschenschlaf“, bis in den achtziger Jahren dort gebaut und auch gestaltet wurde. Es entstand ein neues Viertel mit gutem Wohnwert. Nun steht am oberen Rand die Markuskirche wie ein Monument zwischen diesem Neubaugebiet und den alten erhaltenen und gut renovierten Gebäuden des Sonnenbergs. Monumental ja, aber auch harmonisch. Hier passt Neu und Alt gut zusammen.
Die Markuskirche ist kein sehr altes Bauwerk, ihre Architekten hielten sich aber an den damals für Kirchengebäude bevorzugten „altdeutschen“ (gotischen) Stil. Bei meinem Bild habe ich mir nun vorgestellt, die Kirche wäre tatsächlich viel früher entstanden, und ihre Mauern atmeten das Vergehen von Jahrhunderten.
Wie war es aber wirklich? Vor 1900 war unser Stadtteil so stark angewachsen, dass ein neuer großer Kirchenbau notwendig wurde. Die Anregung dafür ging vom östlichen bürgerlichen Bezirksverein, der damaligen Vertretung der Einwohner vom Sonnenberg, aus. Denn die zuständige Johannisgemeinde zählte mittlerweile 30.000 Mitglieder, so dass man sich entschloss, eine neue Gemeinde, die Markusgemeinde, von ihr abzutrennen. Die Johannisgemeinde erwarb also ein Baugelände auf dem östlichen Teil des Körnerplatzes. Zuerst entstand aber 1891 das Pfarrhaus, ein Gebäude an der Ecke zur Markusstraße (es ist leider im Krieg zerstört worden). In den Jahren 1893/95 ist dann die Markuskirche im Stil der norddeutschen Backsteingotik erbaut worden.
Wie dürfen wir uns die damalige Situation vorstellen? Die Kirche stand noch allein auf weiter Flur und war nicht von Wohnkarrees umgeben. Vorhanden waren lediglich die Wohnhäuser am südlichen Körnerplatz, primitive „Mietskasernen“, an deren Stelle in den achtziger Jahren Neubauten getreten sind. Nach der Kirche entstanden an der Nordseite des Platzes aber Gebäude, die weitaus anspruchsvoller gestaltet sind. Diese denkmalgeschützten Häuser sind mittlerweile sehr schön saniert worden. Schräg gegenüber gerät allerdings der Platz mit den Abfallcontainern an der Ecke zur Tschaikowskistraße sofort ins Blickfeld, der meist von „wilden“ Müllablagerungen umgeben ist. Was für ein Kontrast!
Dass die Markuskirche, das Wahrzeichen unseres Stadtteils, erhalten werden konnte, schien nicht immer sicher. Im Jahre 1993 musste sie wegen schwerwiegender Bauschäden geschlossen werden, Tauben flogen durch die beschädigten Fenster ein und aus. Nach umfassender Sanierung konnte die Kirche im Jahre 2000 wiedereröffnet werden, die seither auch multifunktional genutzt wird.
Was unsere Markuskirche so besonders macht, ist ihr Doppelhelm. Zur Zeit der Entstehung gab es viele neogotische Kirchen, der damalige Pfarrer Colditz wünschte sich jedoch eine Ausführung, die sie von anderen Gotteshäusern unterscheidet. Daraufhin wurde der ursprüngliche Wettbewerbsentwurf der Berliner Architekten Abesser und Kröger überarbeitet.
Wenn wir die Anhöhe zur Kirche emporsteigen, sehen wir über dem Portal ein Glasmosaik mit dem Hl. Markus, der sein Evangelienbuch aufgeschlagen hat und vor seinem Symbol, dem Löwen sitzt. Die Markusgemeinde umfasste seinerzeit die Straßen des „alten“ Sonnenbergs. Kann man da an Zufall glauben, wenn uns hier Löwen überall als Dekor an Hausfassaden, ja selbst einmal als Portalwächter wiederbegegnen?
Stephan Weingart, Atelier 8-80 und AG Sonnenberg-Geschichte






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