Am 19.06.2026 war eine Studierendengruppe der Sozialwissenschaften aus Mittweida da und eine Studentin fragte zum Abschied – also nachdem ich die Gruppe vom Bahnhof über die Martinstraße, den Körnerplatz und die Zietenstraße bis zur Sonnenstraße geführt hatte – ob man dort wohnen sollte, wo man als Stadtteil- oder Quartiersmanager arbeitet. Ich meinte, dass es wie in meinem Fall – ich wohne seit 2013 am Sonnenberg – viele Vorteile haben kann und es z.B. leichter ist, in den verschiedenen Szenen (Soziokultur, freie Kulturschaffende, Läden & Kreativwirtschaft etc.) akzeptiert zu werden. Das hilft auf Netzwerktreffen, als Moderator des Stadtteilrates oder auch bei der Beratung zu Fördergeldanträgen.

Doch stellte ich klar, dass es natürlich auch anders gehandhabt werden kann. Die damalige Stadtteilmanagerin Elke Koch, die von 2008 bis 2018 am Sonnenberg tätig war, wohnte beispielsweise außerhalb des Stadtteils. Jeder muss für sich seine Grenzen setzen. Das Gespräch beendete ich mit der humorvoll gemeinten Bemerkung: „Ja, ich hatte mal für einige Wochen einen Stalker, aber das hatte sich wieder beruhigt. Und ich bin ja jetzt keine Berühmtheit oder so. Also weniger die passende Projektionsfläche für hasserfüllte Menschen, wenn man so möchte.“
Doch die Frage war nicht unberechtigt. Mittlerweile kennen mich ein paar hundert Menschen am Sonnenberg und zeitweise kann ich da und dort eine tragende Funktion einnehmen, aber ich mache mehr Hintergrundarbeit. Wenn die Menschen das Gefühl haben, dass ich da bin, ohne dass sie mich ständig sehen müssen, und ich als verlässliche Konstante vor Ort akzeptiert werde, ist doch schon viel erreicht. Als Schnittstelle zwischen Verwaltung und den Aktiven & Anwohner*innen vor Ort versuchen wir zu helfen, wo wir können. Dass man mit unseren Kapazitäten von insgesamt ca. 40 Wochenstunden nicht die Welt retten kann, liegt ja auf der Hand. Aber wir können für die Menschen da sein und manchmal ist das eben das i-Tüpfelchen, weshalb sich jemand entscheidet, dann doch eher auf den Sonnenberg als in einen anderen Stadtteil zu ziehen oder sich hier einzubringen. Und wir denken dann doch wieder niederschwelliger als manche Verwaltung oder Behörde, die nun mal eine andere Sprache spricht als der Normalsterbliche. Ein bisschen menschliche Erdung kann nicht schaden. 🙂
Was haben wir z.B. 2025 gemacht, was 2026 und was liegt dieses Jahr noch an?
2025 im Rückblick:
- Koordination & Unterstützung: Frühjahrsputz 2025, bei dem wir Hanna Remestvenska tatkräftig unterstützten, Hang zur Kultur 2025 und Kiezweihnachtsmarkt 2025.
- Verleih & Unterstützung: Mindestens zehn unterschiedliche Akteur*innen aus Zivilgesellschaft, Bildung und Nachbarschaft nutzten unseren kostenlosen Verleih. Abzüglich des Frühjahrsputzes wurden 31 Greifarme, 9 Pavillons, 12 Biertischgarnituren, 5 Stühle und ein Glücksrad ausgegeben. Hinzu kamen Putz- und Sportutensilien, Sitzkissen von UNDOYARN und mehrere Flipcharts.
- Nutzung des KIEZBÜROS: Rund 60 Personen nutzten das KIEZBÜRO 2025 regelmäßig und intensiv. Durch Mehrfachnutzungen ergibt sich ein geschätzter Gesamtdurchlauf von etwa 1.800 Personen. Sporadische Besuche von Anwohner*innen und einzelne Veranstaltungen, etwa die Vernissage von 8 bis 80 e. V. oder der Tratsch-und-Trödel-Treff, sind dabei noch nicht mitgerechnet. Trotzdem sind wir von einem Vollprogramm noch weit entfernt und das KIEZBÜRO steht einen großen Teil der Zeit leer. Das zu ändern, wurde zu einem unserer Ziele für 2026.
- Netzwerkarbeit: Teilnahme an 20 Netzwerktreffen und/oder Workshops.
- Beratung: Rund 30 Beratungen von Akteur*innen aus dem Stadtteil.
- Zusätzliche Unterstützung: Betreuung von neun Praktikant*innen und Stundern, die uns zusätzliche Arbeitskraft brachten.
- Einige Erfolge: Bewusstere Kommunikation der ESF-Projekte; Sport Vernetzt eine finale Entscheidungsgrundlage gegeben, auf dem Sonnenberg aktiv zu werden; Aufarbeitung des Verfügungsfonds von 2018 bis 2024; interne Verbesserungen von der Buchhaltung bis zu optimierten und stärker standardisierten Abläufen sowie mehr Handlungsfähigkeit; weitere Verselbstständigung des Stadtteilfestes Hang zur Kultur; weitere digitale Transformation im KIEZBÜRO, unter anderem durch die Teilautomatisierung der Stadtteilzeitung; Aufbau einer Hilfeseite auf unserer Homepage für Menschen, die bereits aktiv sind oder aktiv werden möchten.
- Nicht alles lief rund: Der Küchenbrand im KiWi in der Martinstraße 28 traf uns unerwartet. Beim Kiezweihnachtsmarkt übernahmen wir außerdem zu viele Aufgaben, was zu einer Überlastung führte, die noch bis ins Jahr 2026 nachwirkte.

2026 bis heute:
Hier sind noch viele Dinge in der Auswertung, aber folgendes lag an:

- Das Eingangsschild über dem KIEZBÜRO wurde ausgetauscht und trägt nun den Schriftzug „Ein Ort für Initiative – Projekte, Selbsthilfe & Vernetzung“
- Sonderausgabe Stadtteilzeitung: Die Ausgabe 1/2026 hatte 36 Seiten statt wie üblich 24 Seiten und dürfte auch heute noch interessant und aktuell sein.
- Frühjahrsputz zwischen dem 13. und 17.04. tatkräftig unterstützt.
- Stadtteilkonferenz am 24.03. mit anschließenden Stadtteilrat-Wahlen in der Stadtwirtschaft war erfolgreich.
- Redesign der Webseite und Aufbau eines neuen Veranstaltungskalenders.
- Koordination & Öffentlichkeitsarbeit für Hang zur Kultur 2026: Von der Abstimmung bis zum Programmheft begleiteten wir das Stadtteilfest, das mit ca. 2.500 Besucherkontakten und rund 900 organischen Besucher*innen ein voller Erfolg war. Nach einem erfolgreichen Netzwerktreffen in der Stadtwirtschaft steht auch der nächste Termin fest: der 12.06.2027. Zudem gibt es erstmals gemeinsame Prinzipien, auf die wir uns szenenübergreifend geeinigt haben und die auf hangzurkultur.de öffentlich einsehbar sind.
Abschließen möchte ich diesen Artikel mit einigen Bildern einer Schülergruppe des Agricola-Gymnasiums, die am 02.07. Müll auf dem Sonnenberg gesammelt und den Zaun am Zietenpark umgestaltet hat. Vielen Dank dafür noch einmal.

Text: Tolga Cerci, Fotos: Monika Walther und Tolga Cerci
