Zwischen dem 2. und 16. September 2026 haben Anwohner*innen und Unterstützende die Nutzung der Hainbrücke in verschiedenen Zeitfenstern gezählt. Anlass waren unterschiedliche Angaben darüber, wie stark die Brücke tatsächlich genutzt wird. In der öffentlichen Debatte wurden unter anderem Werte von werktags durchschnittlich 155 Fußgänger:innen und 68 Radfahrenden genannt, auf die auch die Berichterstattung von TAG24 Bezug nahm. Auf eine offizielle Anfrage wurde uns von der Stadtverwaltung Ende August dagegen mitgeteilt, dass ihr keine entsprechenden Verkehrszählungen bekannt seien (RA-187/2026). Vor diesem Hintergrund haben wir begonnen, die Nutzung selbst systematisch in Zeitfenstern zu erfassen.
Zählergebnisse als mehrsprachige PDF-Datei
Was wurde gezählt?
In die bereinigte Standardauswertung gehen insgesamt 2.819 Querungen in 38 Stunden und 10 Minuten Zählzeit ein. Daraus ergibt sich ein zeitgewichteter Durchschnitt von rund 73,9 Querungen pro gezählter Stunde.
Werktags liegt der Durchschnitt bei rund 77 Querungen pro Stunde. Für das Wochenende ergeben sich etwa 44,5 Querungen pro Stunde, allerdings auf einer wesentlich kleineren Datengrundlage von lediglich 3 Stunden und 40 Minuten Zählzeit.
Auffällig sind zudem einzelne Spitzenzeiten. Am 16. September wurden zwischen 8:25 und 8:55 Uhr 90 Querungen innerhalb von 30 Minuten gezählt. Auf eine Stunde normiert entspricht dies 180 Querungen pro Stunde. Am 17. September wurden zwischen 7:30 und 8:00 Uhr 86 Querungen erfasst, entsprechend 172 pro Stunde.
Gerade bei diesen Spitzen ist mir die Formulierung wichtig: Tatsächlich gezählt wurden beispielsweise 90 Personen in 30 Minuten; „180 pro Stunde“ ist der daraus gebildete Vergleichswert. Da die Zählintervalle unterschiedlich lang waren, werden sie für die Auswertung auf eine einheitliche Stundenrate umgerechnet.
Kinder und unterschiedliche Nutzungsformen
Rund 30 Prozent der in der Standardauswertung erfassten Querungen entfielen auf Kinder. In mehreren morgendlichen und nachmittäglichen Zeitfenstern ist ihr Anteil besonders deutlich. Die Daten geben damit zumindest einen Hinweis darauf, welche Rolle die Verbindung auch für Schul- und Alltagswege spielt.
Zusätzlich wurden Fahrräder, Kinderwagen sowie Rollstühle bzw. Rollatoren erfasst. Diese Kategorien werden nicht zur Hauptkennzahl der Personenquerungen hinzuaddiert, sondern separat dokumentiert. Sie sollen sichtbar machen, dass die Verbindung auf unterschiedliche Weise genutzt wird. Dieser Aspekt ist auch vor dem Hintergrund der Chemnitzer Verkehrsplanung interessant: Die Stadt formuliert selbst das Ziel möglichst direkter, barrierefreier Fußwege und einer „Stadt der kurzen Wege“. Auch der Anteil des Radverkehrs an den täglichen Wegen ist laut SrV-Erhebung zwischen 2018 und 2023 von sieben auf acht Prozent gestiegen.
Was sagen die Zahlen – und was nicht?
Die Zählungen zeigen aus meiner Sicht belastbar, dass die Brücke regelmäßig genutzt wird, dass die Nutzung im Tagesverlauf deutlich schwankt und dass es einzelne ausgeprägte Spitzen insbesondere am Morgen und am frühen Nachmittag gibt. Sie ermöglichen außerdem Aussagen über die Größenordnung der Nutzung in den tatsächlich beobachteten Zeitfenstern.
Sie sind ausdrücklich keine professionelle Dauerverkehrszählung und erlauben keine exakte Bestimmung der Zahl unterschiedlicher Personen, die die Brücke an einem kompletten Tag nutzen. Gezählt wurden Querungen: Wer morgens über die Brücke hin- und nachmittags zurückgeht, kann somit zweimal erfasst worden sein. Auch beim Thema Tagesgesamtwert ist deshalb Vorsicht erforderlich. Rein rechnerisch lässt sich der ermittelte Durchschnitt von 73,9 Querungen pro Stunde auf längere Tageszeiträume übertragen. Bei einer linearen Hochrechnung auf 7 bis 20 Uhr ergäben sich beispielsweise rund 960 Querungen, für 7 bis 21 Uhr gut 1.030 Querungen.
Diese Werte sind jedoch keine gemessenen Tageswerte. Eine solche Hochrechnung unterstellt, dass der ermittelte Durchschnitt über den gesamten Tag konstant wäre. Genau das können unsere Stichproben nicht belegen – vielmehr zeigen die Zählungen selbst erhebliche Unterschiede zwischen Spitzenzeiten und ruhigeren Zeiträumen. Ich würde daher nicht von „rund 1.000 Menschen täglich“ sprechen, sondern allenfalls von einer rechnerischen Größenordnung unter dieser ausdrücklich genannten Annahme.
Für die Berichterstattung halte ich deshalb die tatsächlich beobachteten Größen für aussagekräftiger: im Mittel rund 74 Querungen je gezählter Stunde, werktags rund 77, ein Kinderanteil von rund 30 Prozent sowie konkrete Spitzen von bis zu 90 gezählten Querungen innerhalb einer halben Stunde.
Methodische Grenzen
Die Zählungen erfolgten ehrenamtlich in festen, unterschiedlich langen Zeitfenstern. Für die Vergleichbarkeit wurden diese auf Stundenwerte normiert. Parallelzählungen und zeitlich überlappende Intervalle werden in der Standardauswertung nicht doppelt berücksichtigt. Intervalle, in denen Erwachsene und Kinder nicht vollständig getrennt erfasst wurden, fließen ebenfalls nicht in die entsprechende Standardrate bzw. den Kinderanteil ein.
Die Bürgerzählung kann damit eine professionelle, kontinuierliche Verkehrserhebung nicht ersetzen. Sie liefert aber eine inzwischen recht umfangreiche Stichprobe darüber, wie die Verbindung zu unterschiedlichen Tageszeiten tatsächlich genutzt wird. Alle Einzelintervalle, Ausschlüsse und Berechnungsgrundlagen sind in der beigefügten Tabelle transparent aufgeführt.
Mit besten Grüßen vom Sonnenberg
Karola Köpferl
Nachtrag vom 24.09.2026: Es liegt eine Zählung vom 03.09.2026 vom Tiefbauamt vor: „Im Zeitraum von 6 bis 18 Uhr passierten am Donnerstag den 3.9.2026 – 1046 Personen – entweder als Fußgänger oder Radfahrer die Fußgängerbrücke Hainstraße. Die Stunde mit der höchsten Nutzung durch – 137 Passanten – lag zwischen 15 und 16 Uhr.“
