Die Thematik ist außergewöhnlich, aber mitunter sehr wichtig. Wie verhält man sich, wenn man ein dringliches Bedürfnis hat? Wo kann man dieses verrichten? Fakt ist, es gibt nur noch eine öffentliche Toilette auf dem ganzen Sonnenberg. Und wissen Sie, wo diese steht?

Bis vor ca. 50 Jahren existierten auf dem Sonnenberg derartige Bedürfniseinrichtungen am Lessingplatz, am Körnerplatz und am Dresdner Platz. Ursprünglich waren es sogar noch vier mehr: Am Ostplatz (Augustusburger Str.), am Kantplatz (Augustusburger Str.), am Gablenz-Platz (Augustusburger Str.) und am Wettiner Platz (Schlachthof). Wie es ersichtlich ist, hatten die Verantwortlichen der Stadt vor allem darauf geachtet, dass an allen öffentlichen Plätzen sowie wichtigen Verkehrsstraßen derartige Einrichtungen (meist Pissoirs für Männer) errichtet wurden. Bereits um 1870 hatte sich die Stadt Chemnitz entschlossen, die ersten „Anstandshäuschen“ zu errichten, nachdem bereits 1824 in Berlin erste Erfolge dazu zu verzeichnen waren. Es ging ganz einfach darum, die öffentliche Ordnung und Sauberkeit in den wachsenden Großstädten zu verbessern. Und wo sollte man dies tun, wenn keine Möglichkeiten dazu bestanden?

Während die Männer relativ unkompliziert ihre Notdurft oft zum Ärger anderer in der Öffentlichkeit verrichteten, hatten es die Frauen schon schwerer. Für die Männer wurden in Chemnitz in der Folgezeit von 1870 bis 1960 über 50 Pissoirs errichtet, die notwendig waren. Aber die spezifischen Probleme der Geruchsbelästigung bzw. die regelmäßige Sauberhaltung durch die Stadt bedurften zunehmender finanzieller und personeller Anstrengungen. An gut sichtbaren und stark frequentierten Stellen sollten solche Bauten beitragen, das sittliche Verhalten in der Öffentlichkeit zu verbessern und öffentliche Verunreinigungen vermeiden. Zum gestalterischen und inhaltlichen Bau wurden Vorgaben gemacht. So war an gusseisernen Säulen ein Eisenblechmantel als optischer Schutz vorgesehen, der mit nach unten und oben offener Lüftung die Geruchsbelästigung milderte. Zur Diskretion waren Trennwände zwischen den Ständen und ein Sammelbassin unter dem Boden vorgesehen. Da diese im Volksmund als „Café Wellblech“ bezeichneten Einrichtungen keine lange Nutzungsdauer hatten, wurden diese in der Folgezeit durch gemauerte Gebäude ersetzt.

Für die weiblichen Personen bzw. für „größere Anliegen“ mussten sowieso andere Lösungen gefunden werden. Dafür wurden für die gesamte Stadt ca. 40 Objekte (sogenannte Bedürfnishäuschen) geschaffen. Diese hatten unterschiedliche Platzkapazitäten bzw. unterschiedliche Formen der Geschlechtertrennung. Die einzige derartige Einrichtung für den Sonnenberg befand sich bis zu ihrem Abriss 2008 an der Freiberger Straße (Dresdner Platz). Im Jahr 1910 war dieses Objekt mit besonderer öffentlicher Würdigung in Nutzung genommen wurden und hatte manchen Sonnenberger in der Not geholfen.

So nach und nach sind diese bald 100 Einrichtungen aus dem öffentlichen Stadtbild von Chemnitz verschwunden. Für den Sonnenberg gibt es nur noch eine City-Toilette an der Augustusburger Str./Martinstraße. Entweder sind die ursprünglichen Probleme mit der öffentlichen Notdurft geringer geworden oder die Stadt hat sich aus der Verantwortung genommen. Wo wird dies einmal hinführen? Es könnte stressig werden!

Also – im Ernstfall immer informiert sein, wenn es bei einer Notdurft Not tut.
Text und Fotos: Jürgen Eichhorn ( Chemnitzer Geschichtsverein e.V. )
