In manchen Städten ist es längst gelebte Realität, bisher ungenutzte Fassaden zu begrünen und damit einen signifikanten Beitrag zur Anpassung an den Klimawandel zu leisten. Vor allem Wien und Paris gehen hier voran, aber auch Mannheim und in Teilen Berlin oder Hamburg sind solche Beispiele. Chemnitz dagegen tat sich anfangs eher schwer, als das KARREE49 mit der Idee um die Ecke kam, durch Fassadenbegrünung Wärmeinseln zu reduzieren. Auch die Aspekte, neuen Lebensraum für Vögel, Insekten und Kleintiere oder gar essbare Fassadenbegrünungen zu schaffen, riefen eher Skepsis als Begeisterung hervor.

Nach vielen vergeblichen Anläufen freuen wir uns, dass sich nun doch die passenden Kooperationspartner gefunden haben. Es wäre doch zu schade gewesen, wenn sich gezeigt hätte, dass das EFRE-geförderte Projekt „Grüne Zukunft in denkmalgeschützten Gründerzeitquartieren“ sich nicht umsetzen ließe. Stand August 2026 sind die Aufträge zur Entwurfsplanung für eine vollständige bodengebundene Fassadenbegrünung zum Schulhof der Oberschule am Körnerplatz hin erteilt. Vorgesehen ist, zwischen den Fenstern hinaufgeleitete hochwachsende Clematissorten mit dem sogenannten Schokoladenwein abzuwechseln. Ergänzend dazu soll der weitgehend versiegelte Schulhof deutlich grüner gestaltet werden. „Das wird das Aufheizen im Sommer durch den vielen Asphalt auf dem Schulhof deutlich reduzieren“, ist sich der Projektleiter sicher. Auch dass Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler so viel wie möglich eingebunden werden sollen, begeistert ihn.

Neben der Oberschule wird sich der größte Vermieter in Chemnitz, die GGG, mit einem „Doppelvorhaben“ an dem Projekt beteiligen. An einem langgestreckten Gebäude in der Fürstenstraße sollen jeweils die Giebelwände vollständig begrünt und ergänzend dazu die Einhausung des Müllplatzes als Rankhilfe genutzt werden. Strikt geachtet wird darauf, dass die Pflanzen passend dem entsprechenden Standort und zur Himmelsrichtung ausgesucht werden, weil nur das die Chance bietet, dass sie auch gut wachsen

Am Schluss bleibt noch die Hoffnung, dass an einem Gebäude in der Reinhardtstraße ein Einzelprojekt verwirklicht werden kann und außerhalb des Sonnenbergs, aber innerhalb des Fördergebiets, die IHK Chemnitz an ihrem denkmalgeschützten Gebäude eine wandgebundene Begrünung umsetzt. Manchmal braucht Gutes eben seine Zeit.

Wer Rückfragen zu dem Projekt hat, kann sich gerne an Projektleiter Stefan Willi wenden. Erreichbar unter s.willi@karree49.de oder 0371-450409-55.
Text und Fotos: Stefan Willi
